Motorrad Hauptuntersuchung (TÜV)

Der Paragraph 29 der Straßenverkehrszulassungsordnung StVZO bestimmt, das Halter ihre Fahrzeuge in regelmäßigen Abständen (2 Jahre) auf ihre Kosten untersuchen lassen müssen. Diese Untersuchung heißt im Amtsdeutschen „Hauptuntersuchung“ HU, umgangssprachlich als TÜV Prüfung bezeichnet.

Wer prüft das Motorrad

Die umgangssprachliche Bezeichnung TÜV Prüfung legt den Schluss nahe, dass die Prüfung nur durch den Technischen Überwachungsverein TÜV erfolgen dürfe. Das ist aber nicht mehr so. Generell gilt: Die Prüfung wird durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer abgenommen. Diese gehören in den meisten Fällen dem TÜV an, einer privaten Institution nach dem Vereinsrecht. Manche Bundesländer (Hamburg, Hessen) haben eigene Technische Prüfstellen, diese sind dann behördliche Institutionen. Seit einigen Jahren dürfen auch Organisationen von freiberuflichen Kraftfahrzeug Sachverständigen als Überwachungsorganisationen anerkannt werden. Dies ist zum Beispiel bei der DEKRA der Fall. Die Wahl der prüfenden Institution ist für den Fahrzeughalter frei. Er ist in seiner Wahl auch nicht an einen bestimmten Ort gebunden.

Was wird geprüft

Die StVZO sagt in §29: Durch die Prüfplakette wird bescheinigt, dass das Fahzeug zum Zeitpunkt seiner letzten Hauptuntersuchung bis auf etwaige geringe Mängel für vorschriftsmäßig befunden worden ist. Während der Prüfung wird ein Untersuchungsbericht erstellt, der folgende Punkte enthalten muss:

✓ Fahrzeugschein Zulassungsschein Teil1

✓ amtliches Kennzeichen

✓ Jahr der Erstzulassung

✓ Fahrzeughersteller mit Schlüsselnummer

✓ Fahrzeugtyp mit Schlüsselnummer

✓ Fahrzeug Identifizierungsnummer (Fahrgestell und Rahmennummer)

✓ Datum der letzten Hauptuntersuchung

✓ Kilometerstand

✓ Angaben über die festgestellten Mängel

✓ Datum

✓ Name und Anschrift der Kontrollnummer der prüfenden Stelle

✓ Ort

✓ Unterschrift, Prüfstempel und Kennnummer des Prüfers

✓ weitere Unterlagen (Reifenfreigabe, allgemeine Betriebserlaubnis)

Bei bestandener Hauptuntersuchung wird eine Prüfplakette auf dem Kennzeichen angebracht. Zuvor muss der Prüfer die alte Plakette entfernen. Die Prüfplakette weist auf Monat und Jahr der nächsten fälligen Hauptuntersuchung hin. In diesem Monat muss der Halter die nächste Hauptuntersuchung vornehmen lasse. Zwei Monate später wird die Prüfplakette ungültig. Dann kann der Betrieb des Fahrzeugs untersagt werden. Monat und Jahr der nächsten fälligen Hauptuntersuchung wird auch in den Fahrzeugschein eingetragen.

Ob ein Fahrzeug die Hauptuntersuchung passiert oder nicht, hängt nicht vom Zufall ab und auch nicht von der Willkür des Prüfers. Ein gepflegtes und regelmäßig gewartetes Fahrzeug in serienmäßigem Zustand wird immer durch den TÜV kommen. Schwieriger kann es schon sein, wenn der Besitzer bauliche Veränderungen vorgenommen hat. Es gibt eine Möglichkeit, den Kontakt mit den Prüfern zu umgehen und damit die eigenen Nerven zu schonen. Jede Werkstatt bietet die Hauptuntersuchung als Service an. Dann kommt dein Prüfer in die Werkstatt und untersucht dort Kundenfahrzeuge. Das ist natürlich kein Freifahrtschein. Im Gegenteil: Werkstätten werden nicht jedes Fahrzeug akzeptieren. Andererseits kann der Kunde sicher sein, dass ein Prüfer mit Motorrad Sachverstand die Fahrzeuge anschaut und nicht einfach der, der gerade Dienst hat. Die Abnahme der Hauptuntersuchung in der Fachwerkstatt ist auf jeden Falle allen anderen Verfahren vorzuziehen.

Worauf achtet der TÜV

Vorausgesetzt es haben keine baulichen Veränderungen am Motorrad stattgefunden, worauf achtet dann der Prüfer? Hier eine Auswahl der wichtigsten Punkte, auf die der Prüfer sein Augenmerk richtet (immer vorausgesetzt, das Fahrzeug befindet sich in serienmäßigem Zustand):

Allgemein:

- Fahrzeugschein , Zulassungsbescheinigung Teil1 

- Fahrgestellnummer und Rahmennummer – Lesbarkeit

- Typenschild

- Funktion der Rückspiegel

- Funktion von Tachometer und Lenkradschloss

- Kennzeichen: Lesbarkeit, nicht abgeknickt

- Schutz gegen unbefugte Benutzung: Lenk- und Zündschloss Funktion

- Ständer: Hauptständer mit Federn, Seitenständer mit zwei Federn oder eine Feder und Unterbrecherschalter

Beleuchtung und Elektrik 

- Funktion und Kontrolle auf Beschädigung der Leuchtengehäuse

- Funktion der Kontollleuchten

- Funktion der Scheinwerfer und Reflektoren

- Funktion der Beleuchtung sowie Leuchtstärke

- Funktion der Bremslichtschalter

- Funktion der Blinker und Warnblinkanlage

- Funktion der Hupe

- Kontrolle aller Elektrischen Anschlüsse

- Vorgerschriebene Zündkerzenstecker und Zündkerzen 

Bremsen:

- Funktion der Bremsanlage (Hebel, Leitungen, Schläuche, Beläge, Scheiben, Trommel und Gestänge) 

- ausreichende Belagstärke

- Bremsflüssigkeit (Farbe und Pegel)

- Dichtigkeitsprüfung der Bremsanlage

Reifen:

- genügend Profiltiefe der Reifen mit mindestens 1,6mm

- richtige Reifen (Größe, Bezeichnung) gemäß Fahrzeugschein

- vorgeschriebene Laufrichtung

- Reifen Schadensuntersuchung (Beulen, Schnitte, Risse)

- Radachsen und Felgen Kontrolle

Lenkung:

- Funktion der Lenkung

- Funktions- und Festigkeitskontrolle des Lenkers und Griffe

Antrieb, Fahrwerk Rahmen und Anbauteile:

- Schrauben und Begestigungen

- Kontrolle Kette, Ritzel und Kettenrad

- Kettenspannung

- Kettenschutz

- Dichtigkeitsprüfung Gabelrohre und Federbeine

- Gesicherte Fahrstellung von Seiten- und Hauptständer

- Kontrolle von Tank und Kraftstoffschläuche

- Dichtigkeitsprüfung von Motor und Getriebe

- Kontrolle der Verkleidung und Verkleidungsscheibe

- Funktion der Fußrasten

- Festigkeitsprüfung der Sitzbank

- Schmierung der Züge, Gelenke, Schlösse und Lager

Abgasuntersuchung Lautstärke:

- Auspuffanlage kein Rost, keine losen Teile, keine Löcher

- Geräuschpegel Messung

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