Motorrad Vorderrad Aufhängung und Lenkung

In der Technikgeschichte des Motorrades erfuhr die Aufhängung des Vorderrades schon früh die Aufmerksamkeit der Konstrukteure. Hier ging es nur in zweiter Linie um den Komfort für den Fahrer, sondern in erster Linie darum, die Lenkbarkeit des Fahrzeugs in allen denkbaren Situationen zu erhalten.

Heute werden in Motorrädern folgende Konstruktionen verbaut:

✓ Tauchgabel (Teleskopgabel)

✓ Schwingen Gabel

✓ Achsschenkellenkung

✓ Telelever

schneller an ihre Grenzen als im reinen Straßenbetrieb. Eine häufige nachgerüstete Versteifung der Tauchgabel ist daher der so genannte Gabelstabilisator, der eine zusätzliche starre Verbindung oberhalb des Rades zwischen beiden Tauchrohren schafft.

Eine unangenehme Eigenschaft der Tauchgabel ist, beim Bremsen stark eingeschränkt.

Als Nachteil sind zu nennen: Hohes Gewicht Hoher Preis außerdem sind die empfindlichen Gleitflächen der Standrohre durch die tiefe Lage besonders Schmutz und Steinschlag ausgesetzt.

Tauchgabel

Die Tauchgabel ist ein Kind der dreißiger Jahre und wurde 1935 im Hause BMW zu bekannten langhubigen Teleskopgabel weiterentwickelt, daher auch der verbreitete Name „Telegabel“.

Die klassische Tauchgabel besteht aus den beiden Standrohren, die in der Gabelbrücke festgeklemmt sind. Innerhalb der Standrohre befindet sich je eine Schraubenfeder. Die Standrohre gleiten in den beiden Tauchrohren, an deren unteren Ende je eine hohlgebohrte Dämpferstange verschraubt ist. Das Standrohr bewegt sich mit einem Kolben auf dieser Dämpfer Stange, durch Ventilbohrungen fließt das Dämpferöl hin und her.

Die einzige starre Verbindung zwischen den Tauchrohren bildet die geklemmte Radachse. Es ist leicht einzusehen, dass diese Kombination nicht sehr verwindungssteife ist. Werden für den Geländebetrieb auch noch lange Federwege erforderlich, gelangt die Tauchgabel noch zu tauchen und damit an Federwirkung zu verlieren. Um dies zu umgehen, entwickelten alle führenden Hersteller zu Beginn der achtziger den so genannten „Anti Drive“ System, die in der unterschiedlicher Weise die Dämpfung der Telegabel beeinflusste. Statt des erhofften Vorteils registrierten die Fahrer aber vor allem den Nachteil: Einen kaum fühlbaren Druckpunkt bei der Bremsbetätigung.

Upside-Down-Gabel

Eine Möglichkeit, die Tauchgabel zu stabilisieren, bietet das Konzept der Upside Down Gabel. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine „auf den Kopf“ gestellte Tauchgabel. Hier werden die Tauchrohre in Lenkkopf festgeklemmt, die Standrohre zeigen nach unten.

Als Nachteil sind zu nennen: Hohes Gewicht Hoher Preis außerdem sind die empfindlichen Gleitflächen der Standrohre durch die tiefe Lage besonders Schmutz und Steinschlag ausgesetzt.

Schwingengabel

Obwohl gewissermaßen der „Erfinder“ der Tauchgabel, stattete sogar BMW seine Motorräder mit geschobenen Langarmschwingen aus, weil sie vom Federungskomfort und Bremsverhalten der Tauchgabel damals überlegen waren. Schwingen Gabeln waren zu dieser Zeit auch im Moto-Cross üblich. Im Gegensatz zur Tauchgabel leidet die Schwingen Gabel nicht unter dem Eintauchen beim Bremsen.

Trotzdem kehrte man bei BMW später auch zur Tauchgabel zurück. Die Gründe dafür waren vielfältig. Eine wesentliche Rolle spielte aber die Tatsache, dass der Nachlauf bei der Langschwnge sehr groß ist und die Motorräder unhandlich macht.

Heute werden Schwingen Gabeln nur noch bei Rollern und Gespann verwendet. Mit einer Ausnahme : Die Springergabel von Harley Davidson ist eine geschobene Kurzschwinge.

Achsschenkel Lenkung

Ein besonderer konstruktiver Nachteil der Tauchgabel (ebenso wie der Schwingengabel) darf nicht unerwähnt bleiben: Ihre einzige Verbindung zum übrigen Motorrad besteht im Lenkkopf. Alle vom Vorderrad auf das Fahrwerk einwirkende Kräfte müssen über den Lenkkopf in den Rahmen eingeleitet werden. Entsprechend belastet ist das Lenkkopflager, dadurch muss auch der Lenkkopf entsprechend dimensioniert sein.

Seit Erfindung des Motorrades gibt es genügend Versuche, durch grundsätzlich andere Konstruktionen diesem Mangel abzuhelfen. Zu diesen Versuchen gehörte auch die Achsschenkellenkung. Im Bereich der Straßenrennen und bei Motorrad -Gespannen ist diese Art der Vorderrad Aufhängung und Lenkung bereits voll akzeptiert. Anders ist die Situation bei den übrigen Motorrädern. Hier kämpft die Achsschenkellenkung mit ihrer gewöhnungsbedürftigen Optik noch.

Bei der Achsschenkel Lenkung ist die Radachse fest mit der senkrechten Achse der Radlenkung verbunden. Diese senkrechte Lenkachse ist in übereinander liegenden Schwingen Armen in Kugelköpfen drehbar gelagert. Ein Lenkgestänge überträgt die Lenkbewegung von Lenker auf die Radachse, die entsprechend um die senkrechte Lenkachse gedreht wird.

Eine Weiterentwicklung des Achsschenkel Konzepts ist die Naben Lenkung. Die senkrechte Lenkachse neben dem Rad wurde hier als Achsdorn in die Radnabe verlagert. Der Achsdorn ist rollen gelagert, ein Vorteil gegenüber der Kugelkopf gelagerten Lenkachse der Achsschenkel Lenkung. Obendrein wirkt die Naben Lenkung auch optisch entsprechender.

Telelever

Umso mehr erstaunt es, wenn sich ein Großserien Hersteller wie BMW traut, eine neue Fahrzeugreihe mit einem neuartigen Gabelkonzept ins Rennen zu schicken. Das tat BMW 1992 mit der neuen Baureihe der Vierventil Boxer. Ein Jahr später lieferte BMW auch die Enduro R 1100 GS mit Telelever aus. Abgesehen von den technischen Vorteilen ist es wohl der tauchgabelähnlichen Optik zu verdanken, dass der Markt die Konstruktion angenommen hat und heute die Enduro BMW GS Modelle zu den führenden Motorrad Modellen gehört.

Wie bei der Tauchgabel gibt es auch beim Telelever Stand auch Tauchrohre. Diese haben aber weder Feder noch Dampferfunktion. Sie übertragen lediglich die Lenkbewegung vom Lenker zum Vorderrad.

Beider Tauchrohre sind über eine Gabelbrücke miteinander verbunden. Diese Gabelbrücke ist über ein Kugelgelenk drehbar mit einem Längslenker verbunden. Am Lenkkopf ist die Gabelbrücke in einem Wälzlager im Rahmen gelagert. Sämtliche Feder und Dämpfungsfunktionen werden von einem klassischen Federbein übernommen, das den Längslenker gegen den Rahmen abstützt. Der Längslenker selbst stützt sich gegen das Motorgehäuse ab. Der Telelever erreicht so eine völlige Trennung von Lenkung und Federung. Auch das Eintauchen beim Bremsen ist beim Telelever minimiert.

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